Archiv der Kategorie: Medien

Überschwang ohne Fundament

Pausenlos werden mit medialem Getöse Startups gegründet, epochale Symposien ausgeschrieben, disruptive Produkte lanciert. Vor allem erfreut uns jeder Tag wieder neu mit den euphorischen Statements selbst ernannter KI-, VR-, IoT-, Big Data-, Machine Learning-Gurus. Völlig zu Recht hat sich daher der Verleger von Inside-it.ch kürzlich über das grassierende Digitalisierungsgeschwafel in unserer Branche echauffiert.

Der Digitalisierungshype sorgt mittlerweile dafür, dass gschpürige Politiker allenthalben unser Land als das neue Silicon Valley anpreisen und verkaufen, manchmal auch nur die eigene Region (hat da jemand Crypto Valley gesagt?). Und so schiessen staatliche, halbstaatliche oder Non-Profit-Initiativen nur so aus dem Boden, welche den Groove von Palo Alto, Sunnyvale und Menlo Park in die Schweiz bringen wollen.

Die CEO von Grosskonzernen oder Firmen der „alten“ Welt posieren in Jeans und Polo-Shirt als Venture Capitalists in den Inkubatoren dieses Landes und plaudern lässig mit ETH-Absolventen über die heissesten Businessmodelle. Sie alle gehen davon aus, die Schweiz sei ein optimaler Nährboden für ein Startup-Ökosystem. Und dass demnächst das neue Facebook, Uber oder Salesforce in einer Garage in Mümliswil gegründet werden wird.

Für sie alle habe ich eine schlechte Nachricht: Die Schweiz ist in keiner Weise bereit und hat elementare Hausaufgaben nicht gemacht. Dazu nur ein paar wenige Punkte:

  1. Die Schweiz will internationale Entwicklungs- und Forschungsstandorte anziehen. Aber sie beharrt bei den Mitarbeitenden auf eine Arbeitszeiterfassung, welche in den 60er Jahren für Fliessband-Arbeit konzipiert wurde.
  2. Die Schweiz möchte die Digitalisierung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft als Standortfaktor vorantreiben. Aber im Parlament wird ernsthaft darüber diskutiert, möglichst viele Branchen durch Netzsperren vom Internet und vom Rest der Welt abzuschotten (Geldspiele, Urheberrecht etc.).
  3. Die öffentliche Hand will als Vorbild wirken und ihre eigene Digitalisierung massiv vorantreiben. Sie stellt sich aber durch absurde Regeln und Beschaffungspannen ständig selbst ein Bein.
  4. Die Schweiz möchte sich als sicheren Datenstandort etablieren und in diesem Geschäftsfeld eine führende Position einnehmen. Aber Sie erweitert gerade massiv den verdeckten Zugriff auf Daten durch Geheimdienst und Strafverfolgungsbehörden, womit das Vertrauen in den Datenstandort verspielt wird.
  5. Die Schweiz möchte zu einem wichtigen Hub für Startup-Firmen und Venture Capitalists werden, aber gewisse kantonale Steuerbehörden wenden in diesem Bereich Bewertungsmethoden an, welche Firmengründer bei der ersten Finanzierungsrunde ins ökonomische Verderben stürzen.
  6. Die Schweiz möchte den Finanzplatz erhalten, indem digitale Geschäftsfelder aufgebaut werden, aber die FINMA ist daran, den Umgang mit Bitcoins&Co. zu Tode zu regulieren.
 Also, liebe ICT-Unternehmen, schwurbelt ruhig weiter, denn klappern gehört zum Handwerk (auch zu meinem). Aber seid euch dessen bewusst, dass das nicht reichen wird. Wenn ihr nicht selbst oder über Verbände auf der politischen Bühne für vernünftige Rahmenbedingungen kämpft, dann wird es bald nicht mehr viel zu klappern geben. Und aus dem erträumten zweiten Silicon Valley wird über kurz oder lang ein Tal der Tränen.
Drought land
Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch. Bildnachweis: Fotolia Galyna Andrushko
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Vierte Gewalt im Gegenwind

Die Abstimmung über das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) vom nächsten Wochenende ist nur Ausgangspunkt meiner Kolumne und nicht Hauptthema. Denn erstens haben die meisten meiner Leserinnen und Leser (seriös wie sie sind) bereits brieflich oder elektronisch abgestimmt. Und zweitens nervt es gewaltig, wenn man über etwas abstimmen muss, von dem eigentlich nichts in der Vorlage steht („Service public“). Und drittens sind abgeschnittene Finger nur bedingt appetitlich.

Meine Thema ist aber auch etwas brutal: Es geht um Gewalt, genau genommen um die Vierte Gewalt. Die Medien sehen sich heutzutage einem eklatanten Vertrauensverlust ausgesetzt. Der Begriff der Lügenpresse ist wieder salonfähig geworden. Dass sich die Massenmedien in die Defensive gedrängt fühlen, daran hat die ICT-Wirtschaft grossen Anteil. Sie hat nämlich mit innovativen Produkten ermöglicht, dass die Publikationen von Nachrichten und Meinungen nicht mehr einem exklusiven Kreis von Redaktoren und Journalisten vorbehalten ist, sondern dass jeder die Chance hat, von ihm unbekannten Dritten als Nachrichtenlieferant wahrgenommen zu werden.

Dem Selbstbewusstsein der Journalisten entsprach es lange, und entspricht es oft immer noch, dass sie die Vierte Gewalt im Staat seien, was Sonderrechte begründe und ihnen eine einzigartige Aufsichtspflicht über Staat, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verleihe. Oft sind sie erstmals verblüfft, wenn man sie damit konfrontiert, dass die Vierte Gewalt in unserer Verfassung gar nicht vorkommt. Was dort vorkommt, sind die Meinungs-, Medien- und Informationsfreiheit, welche für eine freiheitliche und demokratische Grundordnung tatsächlich fundamental sind. Wenn schon Vierte Gewalt, dann sind das nicht Personen, sondern ein regulatorisches Setting.

Heute ist das Meinungsmonopol der „richtigen“ Medien weitgehend gebrochen. Einerseits können sie sich nicht mehr geografisch abschotten und sind jederzeit einem weltweiten Konkurrenzvergleich ausgesetzt. Andererseits kann jedermann via Blogs (Wer innert sich noch an 2006?: „Weblogs als Klowände des Internets“) oder noch informeller über soziale Medien nicht nur seine Meinung kundtun; auch Breaking News – ureigene Domäne der Massenmedien – kommen öfters auch von „Nicht-Journalisten“, sei es weil sie näher dran sind, sei es, weil sie mit der Staatsmacht nicht unter einer Decke stecken.

Die Autorität und der Einfluss einer Person fusst somit nicht mehr auf seiner Anstellung oder seiner Ausbildung, sondern einzig und allein auf seiner Fähigkeit, Relevantes zu finden, abzuwägen, zusammenzufassen, argumentativ aufzubereiten und zielgruppengerecht zu formulieren. Und – seien wir ehrlich – viele dieser Autoritäten sind nach wie vor Journalisten und werden es auch in Zukunft sein.

Im Gespräch mit Firmenvertretern stelle ich fest: Oft sind sie von Medien enttäuscht oder über sie empört, weil sie diese als eine Art Regierung, als Polizisten und gar Richter sehen. Es wird erwartet, dass Journalisten alles wissen, alles herausfinden, neutral sowie objektiv sind und uns immer gerecht werden. Dieser Anspruch ist jedoch unerfüllbar, was dann zu den oben angesprochenen teilweise extremen Reaktionen aus dem Publikum führt. Dabei sind Journalisten auch nur Menschen, oft mit Berufsstolz, oft auch mit Eigeninteressen und einer politischen Agenda. Und das ist nicht schlimm: Denn im heute „demokratisierten“ Medienumfeld ist die Macht der Medien nicht mehr unbeschränkt.

Aber Sie möchten jetzt doch noch wissen, was ich in Sachen RTVG gestimmt habe? Es war ein Nein, kein beherztes, aber dafür mit einer klaren Botschaft an einen sich immer breiter machenden Medienkoloss.

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Bildnachweis: fotolia.com; (c) olli. Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

Topfkollekte für Verleger und Printjournalisten

Warum befasse ich mich mit dem Gesellenstück der neu geschaffenen eidgenössischen Medienkommission, das nun in Form von Empfehlungen zur Medienförderung vorliegt? Nicht nur aus staatsbürgerlichem Interesse, denn zwischen den Zeilen wird viel über und zur ICT ausgesagt beziehungsweise behauptet.

Der entsprechende Argumentationsstrang ist so altbekannt wie die (indirekte) Subventionierung der Zeitungen. Ohne „publizistische Medien“ sei die Demokratie gefährdet. Wobei als publizistisches Medium nur gilt, wenn dort hauptberuflich im institutionellen Rahmen einer Redaktion Journalisten nach anerkannten Grundsätzen der Branche arbeiten. Vor dem geistigen Auge hatte die EMEK (ein lautmalerisch passendes Akronym!) wohl den Newsroom des „Inquirer“ im Film „Citizen Kane“ – passenderweise wurde er in Schwarzweiss gedreht.

Natürlich braucht es für die Demokratie und die Gesellschaft vom Staat unabhängige und im Wettbewerb stehende Nachrichten und Kommentare. Aber wer meint, diese könnten nur durch das aus der Vergangenheit tradierte System der Verlage mit (Zeitungs-)Redaktionen angeboten werden, der irrt gewaltig.

Und ebenso unrichtig ist das Gegenteil: Nämlich davon auszugehen, dass die „publizistischen Medien“ in jedem Fall Garanten für hochstehende Beiträge zur Weiterentwicklung der Demokratie seien. Die Produktion von Medienschrott ist durchaus nicht der Online-Welt vorbehalten.

Politikerinnen und Politiker unterstützen das traditionelle Medienbild. Einerseits weil sich viele von dem neumödischen IT-Zeugs sowieso überfordert fühlen, andererseits weil diese Medien sehr viel einfacher zu steuern und zu beeinflussen sind. Gerade autoritäre Staaten zeigen uns immer wieder, wie einfach es ist, konventionelle Medien unter Druck zu setzen, zu schliessen oder auch aufkaufen zu lassen.

Doch gemäss EMEK müssen nun in der Schweiz die „mittelständischen Familienunternehmen mit lokalem Marktverständnis“ vor den bösen IT-Giganten geschützt werden, welche mit unbeschränkten Mitteln Demokratie und Kultur niederwalzen.

Um ihr Urteil zu rechtfertigen, biegt sich die EMEK die Realität zurecht. So behauptet sie zum Beispiel: „Journalisten sind es, welche die meisten der neuen Themen in die Blogger- und Social-Media-Aktivitäten einbringen.“ Dabei ist jedermann klar, dass genau das Gegenteil wahr ist – und den Printjournalisten Bauchweh macht.

Richten soll es eine neue Stiftung, welche im Auftrag des Staates – aber natürlich völlig unabhängig – Medienförderung betreiben soll. Und weil das alles eine ganz schöne Stange Geld kostet, sollen nicht nur der Gebührentopf der elektronischen Medien angezapft oder Bundessubventionen gesprochen werden, sondern es soll auch eine Werbe- und Online-Transaktionssteuer geschaffen werden.

Kein Wunder, sind linke Organisationen wie die Gewerkschaft Syndicom, die SP und ihr Ableger Arbus mit dem Bericht recht zufrieden, auch wenn man aus ihrer Sicht natürlich noch viel mehr unternehmen müsste, um die Medien zu fördern. Wobei es diesen Organisationen eigentlich nicht primär um Medien und Demokratie geht. Sie fordern primär Geld für gute Arbeitsbedingungen, hohe Löhne, Mitbestimmung etc., also kurzum, um ihre Klientel zu befriedigen.

Und den einzigen vernünftigen Vorschlag im ganzen Papier empfinden sie als „verheerend“. Die EMEK hatte es gewagt, eine heilige Kuh anzurühren: Die dutzende Millionen Franken schwere Subventionierung des Postversands der Mitgliedschaftspresse (Partei-, Öko-, Tierschutz- und konfessionelle Vereinsblättli). Die EMEK hatte den völlig abwegigen Gedanken, man könne doch prüfen, ob diese Publikationen nicht auch online erscheinen könnten – Pfui Teufel!
Newspapers
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Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

Der Konsument, ein kriminell-rücksichtsloser Dauer-Downloader

AGUR12. So heisst die von Bundesrätin Simonetta Sommaruga einberufene Arbeitsgruppe zum Urheberrecht. Zu den aus Konsumentensicht relevanten Punkten aus dem Arbeitsprogramm von AGUR12 liegen kaum oder keine nennenswerten Resultate vor. Weder wurden Verwertungsmodelle entwickelt, die den heutigen Internetnutzungen gerecht werden, noch sollen unbeabsichtigte Nutzungsschranken und Behinderungen des Wettbewerbs beseitigt werden. Auch fehlen Vorschläge zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung, wie sie ursprünglich gefordert wurden.

Der Bericht liest sich über weite Strecken wie der Wunschkatalog der Verwertungsgesellschaften, welche nicht nur keinen Millimeter von ihren Pfründen abrücken wollen, sondern auch zahlreiche neue, sich zum Teil widersprechende Forderungen aufstellen.Der Konsument soll maximal und weiterhin auch mehrfach abgemolken werden.

Ein wesentlicher Grund für dieses Scheitern dürfte in der einseitigen Zusammensetzung der AGUR12 liegen: Die Federführung lag beim Institut für Geistiges Eigentum IGE, das seine Pflicht zur Aufsicht über die Verwertungsgesellschaften schon seit Jahren ohne Nachdruck wahrnimmt, weshalb auch die Verwaltungskosten bei diesen Organisationen aus dem Ruder gelaufen sind. Die sechs Vertreter der Nutzer und der Konsumenten standen einer zahlenmässigen Übermacht von neun Vertretern der Künstlerverbände und Verwertungsgesellschaften gegenüber. Die Internet-Provider waren gar nicht vertreten, weshalb es auch nicht zu erstaunen vermag, dass ihnen gemäss Abschlussbericht neue und aufwändige Kontrollpflichten überbürdet werden sollen.

AGUR12 sieht den Konsumenten als kriminell-rücksichtslosen Dauer-Downloader, den man jedoch aus politischen Gründen nicht strafrechtlich angehen will. Dafür soll er von seinem Provider (und vom Staat – siehe BÜPF-Entwurf!) möglichst lückenlos überwacht und von eventuell illegalen Seiten ferngehalten werden. Wie viel rechtlicher und staatspolitischer Sprengstoff in der Vorstellung liegt, dass Dritte bestimmen sollen, was sie als „illegale Seiten“ betrachten, wird dabei völlig verkannt. Der ICT-Industrie kommt in diesem Konzept die undankbare Aufgabe zu, via Leerträger- und Speicherabgabe als Inkasso-Stelle und Zahlmeister den Konsumenten abzumelken. Und das gesetzliche Recht auf Privatkopie soll möglichst zurückgedrängt oder ganz aufgegeben werden.

Letztlich liegt das Hauptproblem darin, dass die Künstlerorganisationen und die Verwertungsgesellschaften nicht bereit sind, sich den technischen Entwicklungen anzupassen und den Konsumenten für das ganze Sortiment einfach nutzbare und bezahlbare Geschäftsmodelle anzubieten. Die Strategie, den Status quo unter allen Umständen zu verteidigen, kann aber angesichts neuer, globaler Angebote immer weniger umgehen. Der Staat sollte sich daher so wenig wie möglich zum Handlanger dieser rückwärtsgewandten und konsumentenfeindlichen Politik machen.

Was AGUR wirklich bedeutet: Akute Gefährdung Unserer Rechte!

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Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

Bildquelle: © Schwoab – Fotolia.com

Zum Lehrplan 21: Lehrer vor 44 Jahren

Die Lancierung des Lehrplans 21 für die Volksschule gibt mir Anlass, einen Einblick in die Primarschule von 1969 zu geben: Es ist ein Stück Zeitgeschichte und – darum bring ich es natürlich – ein Stück Hensch-Geschichte, denn ich spiele darin auch eine gewisse Rolle (siehe Bild: trotz Grossaufnahmen keine wirklich tragende).

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Im Auftrag des Schweizer Fernsehens, das damals noch so hiess, drehten die beiden Linksintellektuellen Peter Bichsel (Schriftsteller) und Alexander Seiler (Regisseur) einen Film über den Lehrer an sich und suchten sich dafür meinen Klassenlehrer Andres Schmid aus, womit dessen Klasse als Resonanzkörper pädagogischer Übungen natürlich auch vorkommen musste.

Als aufrechter, aber durchaus nicht unreflektierter Patriot und Major der Schweizer Armee bot Schmid eine optimale Projektionsfläche für die Anprangerung der herrschenden Verhältnisse. Dies musste zu Zeiten des Kalten Krieges auf subversive Weise geschehen, so dass der Film auf zwei Ebenen abläuft, die beide aus unterschiedlichen Gründen interessant sind.

Die Bilder zeigen den Alltag einer 4. Primarklasse aus einem Zürcher Mittelstandsquartier, die durch einen engagierten Lehrer mit straffer Hand, aber mit Einfühlungsvermögen und Wohlwollen geführt wird. Dieser macht sich zwischendurch Gedanken über Leistungsdruck und Selbstverwirklichung.

Der Off-Text wird von Peter Bichsel gesprochen und reflektiert seine eigenen Erfahrungen als Lehrer. Dort tut sich eine ganz andere Welt auf, in welcher die Brutalität des Schweizer Erziehungssystems angeprangert wird: Dort trampeln die Lehrer als Büttel des Kapitalismus rücksichtslos auf den Seelen der Schüler herum. Da dies als eigener innerer Monolog  von ex-Lehrer Bichsel daher kommt, ist es unangreifbar, aber als Kommentar zu den Bildern hat es natürlich eine vernichtende Wirkung.

Als noch wenig politisierter Zehnjähriger habe ich von der Rezeption des Werks nichts mitbekommen, aber man hat mir erzählt, dass da einiges passiert ist. Sowohl die Filmemacher als auch der Lehrer haben in der Öffentlichkeit ihr Fett abgekriegt.

Für mich persönlich bleibt der Film eine tolle Zeitmaschine, die mich in meine Kindheit zurück verfrachtet. Man sieht mich vor allem am gelangweilt Herumschauen und am Gähnen oder am Spielen mit Stiften. Und ich erinnere mich tatsächlich, dass ich die Primarschule nicht wirklich als Herausforderung erlebt habe.

Mit herzlichem Dank an meine ehemalige Schulkollegin Monika Christen, die mir den Film kürzlich zugesandt hat.

Grad ein wenig oft in den Medien

Gestern war medialer Grosskampftag: Am Morgen ein Radio-Interview zum BÜPF, am Nachmittag ein Dreh für 10vor10 zu einem ganz anderen Thema: den Forderungen der Grünen nach staatlichen Reparaturnormen und -abgaben. Typisch für die audiovisuellen Medien: Ein unverhältnismässiger Zeitaufwand für extrem wenig Sendezeit. Aber genau so typisch: Das Gespräch mit den Journalisten sorgt dafür, dass man mit seinen Botschaften den Beitrag mit prägen oder zumindest mit beeinflussen kann. Deshalb ist klar: Wenn die Radio und TV rufen: ich komme!

Das neue BÜPF auf SRF3

10vor10: Lieber entsorgen als reparieren

Conference meeting microphones on white background

Durch Parodie geadelt

Das Beste, was einer Werbekampagne passieren kann, ist heutzutage wohl, wenn sie integral im Netz viral verbreitet wird. Dies setzt allerdings in den meisten Fällen voraus, dass sie genau dafür konzipiert worden ist. Das Zweitbeste ist, wenn die Kampagne parodiert wird, weil sie dazu reizt, weiter gedacht zu werden.

Dies geschieht jetzt gerade mit der Kampagne von Swiss Recycling „Ich trenne“, an welcher Swico als Mitglied und Partner beteiligt ist. Im Original sehen die Werbesujets so aus:

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Nun werden sie vom Nebelspalter auf Facebook abgewandelt:

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Und auch Giacobbo Müller nahmen die Kampagne als Vorbild (lustigerweise in einer Sendung, in welcher auch eine Künstlerin auftrat, die bei den Original-Testimonials mitmacht: Steff la Cheffe). Der Beitrag über die Kampagne startet bei Minute 1:45.Bild

Nachtrag vom 24.4.: Das Sujet kann auch für die Selbstprofilierung verwendet werden:

tamara

Vergesst Google!

Pünktlich mit dem ersten Schneefall haben die Schweizer Verleger ihre Winteroffensive gestartet und nun nach Deutschland und Österreich auch in unserem Land vom Gesetzgeber ein Leistungsschutzrecht für ihre Produkte eingefordert. Bis dato wurde der genaue Wortlaut der angestrebten Ergänzung zum Urhebergesetz noch geheim gehalten. Ich bin jedoch in der glücklichen Lage, den Leserinnen und Lesern von inside-it.ch den neuen Gesetzesartikel als Primeur zu offenbaren:

Unternehmen, deren Firmenname mit „G“ anfängt und mit „oogle“ aufhört, sind verpflichtet, die Inhalte von Mitgliedfirmen des Verbands Schweizer Medien im Internet sauber zu referenzieren und dafür zu bezahlen. Die Höhe dieser Gebühr wird durch den Verband Schweizer Medien festgelegt.

Spass beiseite: Die Debatte zum Thema Leistungsschutzrecht wird dadurch erschwert, dass einer der Protagonisten die Firma Google ist, was zwar die (finanzielle) Fantasie anregt, aber dafür die Sicht auf die grundsätzlichen Fragen verstellt. Deshalb sage ich in diesem Zusammenhang: Vergesst Google!

In der Schweiz noch nichts Konkretes
Die Schweizer Verleger haben das Leistungsschutzrecht zwar in ihrem medienpolitischen Manifest postuliert, aber bislang keine konkreten Vorstellungen dazu kommuniziert. Daher müssen wir uns wohl oder übel mit dem Stand des identischen Vorhabens in Deutschland befassen. Die Vorlage ging Mitte November ans Parlament und wurde dann im Deutschen Bundestag zu nachtschlafener Zeit vor weitgehend leeren Rängen behandelt.

Gesetzesvorlage in Deutschland unter Beschuss
Vor wenigen Tagen hat sich das neutrale und hoch angesehene Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht zum Thema geäussert: Es hat die Gesetzesvorlage als „nicht durchdacht“ bezeichnet und in einem Gutachten regelrecht demontiert. Die Schlüsselstelle in der Stellungnahme gilt auch für die Verhältnisse in der Schweiz:

Das Zusammenwirken beider Investitionen (der Verleger und der Suchmaschinen) ist erforderlich, damit die Technologie des Internets überhaupt sinnvoll genutzt werden kann: Ohne Inhalte würden die Suchmaschinen nichts finden – und ohne Suchmaschine würde in der unübersehbaren Informationsfülle des Internets nichts gefunden. Mit andern Worten ist es keineswegs so, dass nur einer vom anderen profitiert. Vielmehr ist das Zusammenspiel von Inhaltsanbietern und Suchmaschinenbetreibern Ausdruck unserer modernen, arbeitsteiligen Marktwirtschaft.

Hyperlink – Essenz des Internets
Das Verlinken ist eines der Schlüssel-Instrumente des Webs und geht weit über die Verwendung durch Suchmaschinen hinaus. Der Hyperlink ist geradezu die Essenz des Internets. Eine Einschränkung dieser Funktionalität wäre daher nicht nur ein Angriff auf die ICT-Branche, sondern auch generell schädlich für unsere Volkswirtschaft. Denn es werden nicht nur Suchmaschinen aufhören, Medienbeiträge aller Art zu verlinken, sondern alle, die nicht nur aus reiner Liebhaberei im Internet unterwegs sind. Niemand wird sich die Mühe machen, zuerst die (bezahlte oder unbezahlte) Einwilligung des Presseerzeugnisses einzuholen, oder das Risiko eingehen wollen, eingeklagt zu werden.

Das Leistungsschutzrecht würde also nicht nur Suchmaschinen, sondern viele andere Nutzer daran hindern, das Potenzial des Internets auszuschöpfen (zum Beispiel mich als Verfasser dieser Kolumne). Das Leistungsschutzrecht benachteiligt auch die Autoren, welche für Zeitungen schreiben, da sie ein Interesse daran haben, dass ihre Texte einem weiteren Kreis zugänglich gemacht werden – ohne Schaden für den Verleger, da der Link ja immer auf die Originalquelle zurückführt.

Wieso keinen Test?
Treffend beschreibt und kritisiert Rainer Stadler in der NZZ die Emotionalität, mit der die Verleger diese Diskussion führen. Man könnte sie mit einem kleinen Markttest abkürzen: Google stellt die Verlinkung der Schweizer Presseerzeugnisse für zwei Wochen freiwillig ein und fragt dann die Verleger, was sie sich denn für einen Preis für das Leistungsschutzrecht vorstellen. Meine Vermutung: Kein Verleger, der rechnen kann, würde auf einem Leistungsschutzrecht beharren. Was zukünftige Einnahmen aus dem Leistungsschutzrecht anbelangt, empfehle ich daher den Verlegern: Vergesst Google (und uns alle anderen bitte auch).

Tastatur

Bildnachweis: Freefoto.com

[Dieser Beitrag erschien am 4. Dezember 2012 bereits in weitgehend identischer Fassung bei inside-it]

"Home-Story"

Das Föteli au dem Privatarchiv erinnert schon ein wenig an eine Home-Story, aber da es sich um einen Artikel im IT-Reseller handelt, und erst noch aus der Feder des Chefredaktors, hat man es besser als bei der Schweizer Illustrierten. Weder muss man seine Familie ausstellen, noch wird man genötigt, mit nackten Füssen auf dem heimischen Sofa zu posieren, um seine Entspanntheit zu demonstrieren. Trotzdem, es ist immer wieder ein unangenehmes Gefühl, in einem solchen Kontext seine Biografie auszubreiten.

Immerhin: Erst aufgrund der Präsentationen, Vorstellungen und Artikel aus Anlass meines Starts beim Swico ist mir klar geworden, was mein USP ist (auch bei IT-Reseller nachzulesen): „Ich lebe Zürich“. Für Insider: Seit letzten Samstagabend noch etwas mehr…  

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