Nun macht der Bundesrat Köpfe mit Nägeln

„Ich hoffe, ihr habt ein angenehmes Wochenende verbracht, zwei von euch sogar noch ohne die obligaten Weekend-Aktenkoffer. Leider hat es am Freitag mit der Ämtli-Verteilung noch nicht so geklappt, weshalb ich heute einen neuen Anlauf nehme.

Wir sind in einer Sackgasse gelandet, müssen aber irgendwie zu einem Entscheid kommen. Wir können ja nicht gut das Gleiche machen wie beim Rahmenabkommen: Nichts entscheiden und stattdessen das Orakel der Parteien und Verbände befragen. Und wir wollen ja auch nicht schon zu Beginn den Anschein erwecken, dass es mit unserer Fähigkeit zu regieren hapern könnte.

Ich habe mir deshalb etwas überlegt. Grundsätzlich laufen ja unsere Departemente ohne uns. Die Amtsdirektoren machen ja sowieso, was sie wollen. Ab und zu schwingen die Generalsekretäre die Peitsche, um nach aussen hin den Anschein einer Departementsführung zu wahren. Uns braucht es ja lediglich, damit uns das Parlament öffentlichkeitswirksam zusammenstauchen kann. Für dessen Psychohygiene müsste sowieso längst einmal eine bessere Lösung gefunden werden. Aber leider hat man es bei der Renovation des Bundeshauses unterlassen, einen Hamam und einen Schiesskeller einzubauen.

Allerdings ist es nicht so, dass wir uns einfach auf die faule Haut legen können. Einerseits müssen wir ja etwas für unseren Lohn tun. Andererseits müssen wir ja unsere Rolle als Galionsfiguren des Staates irgendwie zum Ausdruck bringen. Dafür brauchen wir eine bestimmte Funktion. Ich habe mir daher erlaubt, euch ein paar Vorschläge zu unterbreiten. Dabei geht es darum, die Aufgabenverteilung so vorzunehmen, dass eure jetzige Lebensqualität erhalten bleibt und dabei niemand dem anderen ins Gehege kommt.

Ich beginne bei mir selbst. Nach meiner Privataudienz beim Papst vor einem Monat liegt auf der Hand, dass ich das Departement für Religion und Scientology übernehme. Nur schon deshalb, damit es nicht an die CVP fällt.

Für die Immobilienverwaltung des Bundes gibt es nur eine Anwärterin: Viola hat im Wallis gezeigt, wie man wirksam Einnahmen aus Liegenschaften maximiert. Wir freuen uns darauf zu sehen, wie du die vielen frei werdenden Bunker aus der Reduit-Zeit für die Sanierung der Bundesfinanzen nutzbar machen wirst.

Das Departement für Inneneinrichtung und Behaglichkeit übernimmt Ignazio. Er verkörpert wie kein anderer den Geschmack der Schweizer in Sachen Wohnkultur. Vielleicht können wir das Sitzungszimmer hier ein wenig entrümpeln und du könntest für uns ein Sofa installieren.

Nach seiner fulminanten Antrittsrede als zukünftiger Bundespräsident liegt Uelis Amt auf der Hand. Er übernimmt das Departement für Spass und Humor. Damit zeigt sich auch eine gewisse Kontinuität in der Regierungsarbeit. Er ist ein würdiger Nachfolger von Johannes Schneider-Ammann, der vor zwei Jahren das Lachen erstmals zum Bundesratsthema erhoben hatte.

Für Simonetta sehe ich das Ministerium für Tourismus und Glückspiel vor. Durch ihre bedingungslose Unterstützung der Casinobranche beim Geldspielgesetz hat sie sich bestens qualifiziert und wird dort ganz sicher mit offenen Armen empfangen.

Ihr habt wohl alle erwartet, dass Kollege Parmelin das Departement für Önologie und Schnapsbrennerei übernimmt. Das wäre zu einfach gewesen. Und dieses Amt ist nun auch nicht mehr frei. Das geben wir ganz klar Karin. Schliesslich ist ihr Heimatort Wil für seinen Weinbau weltberühmt. Für Guy habe ich das Departement für Mode und Ästhetik vorgesehen. Denn er versteht es, der Bevölkerung vorzuleben, wie man sich dem Modediktat der internationalen Konzerne verweigert.

Das wär’s von meiner Seite. Hat jemand von euch einen besseren Vorschlag?“

[Nachtrag: Zwischenzeitlich hat sich der Bundesrat doch noch auf eine konventionelle Ämterverteilung einigen können.]

Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch.  

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