Gespräch auf C-Level

Nachfolgend ein Beispiel dafür, wie politische Prozesse in den Unternehmensalltag diffundieren. Hören wir mal rein: Der CEO erblickt die HR-Chefin im Gang. Freudestrahlend tritt er auf sie zu.

CEO: Du hast immer gesagt, wir beide stünden mit einem Bein im Gefängnis. Aber jetzt ist alles wieder gut!

HR: Wieso das denn?

CEO: Bundesrat Schneider-Ammann hat sich knallhart durchgesetzt und bei der Arbeitszeiterfassung endlich eine gute Lösung durchgesetzt. Stand gestern in der Zeitung.

HR: Du bist dir aber schon bewusst, dass das erst einmal ein Vorschlag ist, der noch durch die Anhörung muss?

CEO: Sei nicht immer so pingelig. Als CEO schaue ich immer schon in die übernächste Geländekammer, und dort ist das Problem gelöst.

HR: Und was machen wir jetzt deiner Meinung nach?

CEO: Wir nehmen die vereinfachte Arbeitszeiterfassung.

HR: Klar, können wir machen. Und wie bilden wir die paritätische Kommission?

CEO: Was für eine paritätische Kommission?

HR: Die ist Voraussetzung für diese Lösung.

CEO: So was kommt sicher nicht in Frage. Wenn ich das schon höre, paritätisch. Hier ist immer noch einer der Boss. Sei kreativ!

HR: Es gäbe da schon eine Alternative, aber ich bin nicht sicher, ob …

CEO: Raus damit!

HR: Eine Vollversammlung aller Mitarbeiter…

CEO: Du spinnst ja! Aber es gibt ja doch noch eine zweite Lösung, bei der wir zumindest alle Verkäufer und Kader von der Arbeitszeiterfassung entbinden können. Heisst GAV oder so.

HR:Und das findest du gut? Wusste gar nicht, dass du so ein Freund von Gewerkschaften bist.

CEO: In meinem Laden? Sicher nie! Nur über meine Leiche.

HR: Das ist das Problem: GAV bedeutet Gesamtarbeitsvertrag, und den müsstest du mit den Gewerkschaften abschliessen. Ihnen die Hand geben, mit ihnen verhandeln, und ein paar Goodies in anderen Bereichen würden sie natürlich auch noch fordern.

CEO: Willst du mich in den Herzinfarkt treiben? – Wechseln wir lieber das Thema: Dein Vorschlag für unsere Employer Branding Kampagne überzeugt mich noch nicht ganz. Die Werbefuzzis sollten viel stärker rüberbringen, dass wir eine Firma sind, bei der es keine Hierarchiestufen gibt, die voll auf die Sozialpartnerschaft setzt und die Führung volles Vertrauen in die Mitarbeitenden hat.

HR: Das kann doch nicht dein Ernst sein, jetzt hier davon anzufangen. Du weisst doch genau, dass ich nach der Znüni-Pause noch nicht wieder eingestempelt habe!

Disclaimer: Wenn dieses Gespräch nicht fiktiv wäre, hätte es sich jedenfalls nicht bei einem Swico-Mitglied abgespielt. Sämtliche Fakten zum aktuellen „Kompromiss“ Arbeitszeiterfassung sind jedoch sachlich richtig widergegeben.

an angry boss and an attractive assistant

Bildnachweis: fotolia.com; (c) Astock. Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s