10 verbreitete Möglichkeiten, bei der IT-Beschaffung Geld des Steuerzahlers zu verschwenden

In letzter Zeit wurde viel geschrieben über die Probleme bei der IT-Beschaffung des Bundes: Das Parlament hat eine Sonderdebatte geführt, in ihrem Jahresbericht geht die Finanzkontrolle auf das Thema ein, aber auch 9 Millimeter Bildschirmbreite gaben zu reden. Dabei fällt auf, dass oftmals aneinander vorbeidiskutiert wird, weil es nicht ein Beschaffungsproblem gibt, sondern eine Vielzahl davon. Nachdem nun Blick am Abend die journalistische Form des Listicle in der Schweiz salonfähig gemacht hat (Aktuelles Beispiel: 10 verrückte Methoden, um Milchzähne zu ziehen), greife nun auch ich zu diesem Instrument und zeige 10 verbreitete Möglichkeiten auf, bei der IT-Beschaffung Geld des Steuerzahlers zu verschwenden:

  1. Aufträge in Portionen aufteilen, welche unterhalb der WTO-Grenzwerte liegen (Salamischeibchen-Prinzip).
  2. Statt Projekte auszuschreiben, werden Personalressourcen eingekauft, die man dann nach Belieben einsetzen kann – ohne dass je eine Erfolgskontrolle möglich wäre.
  3. Falls nach Einsatz der Möglichkeit 2 das anvisierte Projekt scheitert, einfach nochmals Personalressourcen einkaufen.
  4. Aufträge grundsätzlich als Folgeaufträge deklarieren und dann auf der Basis von Art. 13f VöB freihändig vergeben.
  5. Die Anforderungen so vage formulieren, dass die Offerten am Schluss nicht wirklich verglichen werden können.
  6. Die Anforderungen so detailliert formulieren, dass sie niemand erfüllen kann, was einem dann die Möglichkeit gibt, Möglichkeit 2 einzusetzen.
  7. Die Anforderungen so formulieren, dass nur genau ein – erwünschter – Lieferant diese erfüllt. Das hat er natürlich auch gemerkt und kann dann den Preis nach Wunsch ansetzen.
  8. Beschaffungs-Know-how ist ein kostbares, wertvolles Gut, das man auf keinen Fall mit anderen Ämtern oder Departementen teilen sollte. Jeder sollte doch die Gelegenheit erhalten, Erfahrungen zu machen.
  9. Bei Ausschreibungen immer die „uneingeschränkte Akzeptanz der AGB des Bundes“ verlangen, so dass möglichst viele Anbieter aus dem Rennen fallen, auch wenn sie technisch versierter und wirtschaftlich günstiger gewesen wären.
  10. Ausschreibungen so gestalten, dass möglichst viele branchenfremde Anbieter mit Sitz im Ausland und ohne Ressourcen in der Schweiz zum Zuge kommen. Sie haben auf dem Papier immer den günstigsten Preis – was danach kommt, muss man ja nicht so genau anschauen.

Ehrlich gesagt, es gibt noch ein paar Möglichkeiten mehr. Die lasse ich hier jedoch weg. Einerseits, weil aufgrund der ehernen Gesetze des Listicles immer eine runde Zahl von Möglichkeiten aufzuführen ist. Andererseits, um Schlaumeier nicht auf falsche Gedanken zu bringen.

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Bildnachweis: © Scanrail – Fotolia.com

Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

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