Alles und doch nichts!

Als letzte Woche der Swiss Cloud Award verliehen wurde, ging der erste Preis in der Kategorie „Best Cloud Service Product“ an eine für KMU skalierbareSaaS-Lösung für Logistik- und Lagermanagement. Und in der Kategorie „Best Cloud Startup“ gewann eine Anwendung, mit der Meeting- und Büroräume ad hoc und bei Bedarf auch stundenweise ver- und gemietet werden können.

Beiden Preisträgern ist gemeinsam, dass die Lösungen aus dem reinen ICT-Universum ausbrechen, intensiv mit der physischen Realität interagieren und auf sie einwirken. Dies war für uns Jury-Mitglieder im Rahmen der Evaluation der Eingaben ein wichtiges Entscheidungskriterium. Was mir an beiden Anwendungen besonders gefällt: Sie sind Teil der neuen „Shareconomy“. Das Konzept dahinter und seine Bedeutung für die Zukunft habe ich in meinerKolumne vom letzten Januar bereits dargelegt. Das Spannende aus Sicht der digitalen Wirtschaft: Alle Konzepte, bei denen es um Teilen bzw. um verteilte Nutzung geht, funktionieren nur dank ICT.

Die Shareconomy wird zu einem weiteren Booster für Internet-Anwendungen. Die Durchdringung aller Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft durch innovative ICT-Anwendungen geht also unaufhaltsam voran. Es gibt wohl kein Unternehmen, das nicht auf die eine oder andere Weise informatisiert ist. Zwei Drittel der ICT-Spezialisten arbeiten mittlerweile in den Anwenderbranchen und dieser Anteil wird in Zukunft wohl noch steigen. Einzelne Individuen verweigern sich zwar noch dem PC und dem Handy, aber dass sie auffallen beweist, wie selbstverständlich und normal unser Umgang mit ICT-Mitteln geworden ist.

Immer mehr Branchen werden von der ICT nicht nur angeknabbert, sondern regelrecht aufgefressen. Dies betrifft insbesondere die Medien (auch wenn es einige noch nicht wahr haben wollen!). Und es betrifft zunehmend auch die Werbung: Ich kenne Marketingagenturen, bei denen mehr Informatiker als Texter und Konzepter tätig sind. Es ist aber auch in der Unterhaltungselektronik zu spüren, die immer stärker in Richtung ICT konvergiert, wie die aktuelle Entwicklung belegt. 

Diese Entwicklung erfüllt uns ICT-Leute zwar mit Stolz und mit Freude, doch sie ist nicht nur positiv. Denn wenn nach und nach alles ICT ist, bedeutet ICT nichts mehr. Die heutigen Anwendungen sind so intuitiv und ergonomisch gestaltet, dass der Anwender sie nicht mehr als Informatik empfindet. Wenn diese Entwicklung weiter geht, dann wird die ICT-Branche bald nicht mehr wahrgenommen und ihre Anliegen werden auch nicht mehr gehört. (Hat da jemand „Fachkräftemangel“ gerufen?)

Also, liebe Programmierer, lasst doch ab und zu mal einen Bug in euren Applikationen stehen. Damit die Menschen draussen wissen, dass es euch noch gibt. Und dass es euch braucht, mehr denn je.

Dieser Beitrag erschien in weitgehend identischer Form in meiner Kolumne “Von Hensch zu Mensch” auf inside-it.ch

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[Bildnachweis: Kraftedno1 via Flickr]

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