Waste Paradise 2013

Wieso heissen Seltene Erden so, obwohl sie weder Erden noch selten sind? Kann man Computer-Monitore in Glaswolle umarbeiten? Wie soll man illegale Exporte nach Afrika verhindern? Dies ein paar Themen der „International Electronics Recycling Conference„, die jeweils im Januar in Salzburg stattfindet und soeben zu Ende gegangen ist. Den liebevoll „Waste Paradise“ genannten Anlass mit 500 Teilnehmern (darunter 5% Schweizer) kann man nicht in einem Blogbeitrag zusammenfassen. Deshalb nur ein Thema daraus: Die neue Unübersichtlichkeit bei den Recycling-Standards.

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Krieg der Standards

Seit mehreren Jahren werden Anstrengungen unternommen, um Qualitätsstandards für das Recycling von Elektronik-Altgeräten zu entwickeln. Mittlerweise stehen sich verschiedene Systeme gegenüber, welche zum Teil unterschiedliche Akzente setzen und sich teilweise regelrecht bekriegen (siehe zum Beispiel diesen Vergleich zwischen e-Stewards und R2 auf der Seite von e-Stewards). Ebenfalls im Rennen ist zum Beispiel auch epeat, bei dem Swico Recycling seit einem Jahr zertifiziert ist und die auf IEEE-Standards basiert.

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Schweizer Norm für Europa

Als Mitglied von WEEE-Forum engagieren sich die Schweizer Rücknahmesysteme intensiv für die Entwicklung des europäischen Standards WEEELABEX, der sich im Gegensatz zu anderen Standards auch mit Sammlung und Logistik von Altgeräten auseinandersetzt. Er hat überdies den grossen Vorteil, dass er mehr oder weniger die heutigen technischen Vorschriften der beiden Schweizer Systeme Sens und Swico Recycling darstellt…

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Von WEEELABEX zur CEN-Norm

Beim Kampf der Standards setzen die Europäer auf rechtliche Verbindlichkeit. Soeben wurden die ersten Schritte unternommen, um WEEELABEX in einen offiziellen Europäischen Standard, eine sogenannte CEN-Norm umzugiessen, womit er für alle Marktakteure verpflichtend würde. Da die EU hier politische Rückendeckung gibt, dürfte der Prozess abgeschlossen werden. Allerdings dauert so etwas seine Zeit, zwei bis drei Jahre muss man beim CENELEC schon rechnen. Die Recyclingbetriebe zeigten sich bezüglich WEEELABEX bisher relativ skeptisch, ihr Verband EERA moniert immer wieder, nicht ausreichend angehört zu werden, aber nun scheint sich das Blatt zu wenden. Anders Jansson, CEO von Stena, einem der wichtigsten Recycler, hat sich unmissverständlich hinter WEEELABEX und seine Umsetzung in eine CEN-Norm gestellt.

Standardisierung der Standards?

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion am IERC wurde die Unübersichtlichkeit bei den Standards stark beklagt und auch die Idee einer gegenseitigen Anerkennung lanciert. Da darf man allerdings skeptisch sein. Aufgrund der unterschiedlichen Stakeholder und ihrer spezfischen Bedürfnisse, die hinter den Standards letztlich stehen, bräuchte es da schon sehr viel, damit man sich näher käme.

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[Bild: Patrick Lampert und Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer von SENS und Swico am IERC in Salzburg]

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