Cloud zu Unrecht am Pranger

Die Nachricht machte in den IT-Medien die Runde: Lokale Netzwerk-Server seien viel ökologischer und klimaverträglicher als die Speicherung in der Cloud. In der Pressemitteilung des reputierten Öko-Instituts heisst es:

„Berechnungen zeigen, dass beispielsweise das Speichern einer einzigen DVD mit einem Datenvolumen von 4,7 Gigabyte in einem Online-Speicher 55 Kilogramm CO2-Äquivalente erzeugt. In einem energieeffizienten Heimnetzwerk fallen hingegen für die gleiche Datenmenge nur 150 Gramm CO2-Äquivalente an.“

Dies hätte bedeutet, dass die Speicherung in der Cloud sage und schreibe 370 Mal mehr CO2-Ausstoss mit sich bringt als die lokale Speicherung. Ein solches Ergebnis hätte zum Nachdenken anregen müssen. Stattdessen wurde die Mitteilung unter dem Titel „Zu Weihnachten effiziente Technik verschenken“ frisch fröhlich an die Medien verteilt.

Diese nahmen den Ball gerne auf und verbreiteten die Geschichte weiter. Offenbar gab es dann doch Empfänger, welche etwas nachdachten und kritische Rückfragen stellten. Kurz darauf wurde die Meldung off-line gestellt. Nach ein paar Tagen schaltete das Öko-Institut – sehr transpartent und nachvollziehbar dargestellt – eine Korrigenda auf. Mit dem Fazit: 

„Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Höhe der Treibhausgasemissionen für die Online-Speicher … nicht aufrechterhalten werden kann. … Öko-Institut bedauert diese voreilige Veröffentlichung.“

Die Korrigenda wurde benutzt, den gesamten Hintergrund genau auszuleuchten und wissenschaftlich sauber aufzuarbeiten. Das Dokument ist sehr lesenswert. Fest steht, dass heute ein sauberer Vergleich zwischen lokaler und Cloud-Speicherung (noch?) nicht erstellt werden kann. 

Zum verhängnisvollen Fehler war es übrigens gekommen, weil die Daten zum CO2-Verbrauch eines einzelnen Mails von 1 MB Umfang proportional auf ein Tagesvolumen von 5 GB hochgerechnet wurden.

Aus medienkritischer Hinsicht ist anzumerken, dass alle Online-Artikel mit der Schlagzeile über Cloud als CO2-Schleuder nach wie vor aufgeschaltet sind und jetzt auf einen Text verweisen, in dem steht, dass man dies eben nicht so sagen kann …

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Bildnachweis: freefoto.com

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