Fleischskandal: Aufr??umarbeiten bei Coop

Gross war die Entrüstung, als im letzten Oktober die Sendung Kassensturz aufdeckte, dass bei Coop abgelaufenes Fleisch aus dem Selbstbedienungsregal ausgepackt und dann an der Frischfleisch-Theke verkauft worden war. Das Medienecho war beträchtlich. Die Reaktion von Coop war in den folgenden Wochen wenig souverän und bezüglich Ausmass des Problems vage. Das Thema wurde heruntergespielt und eine neutrale Qualitätskontrolle versprochen, ein Tag der offenen Coop-Metzgerei abgehalten. Aussitzen halt, wie es sich ein Grosskonzern leisten kann.

Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen. Aber in Basel hat man zwischenzeitlich offenbar seine Hausaufgaben gemacht. Wer zum Beispiel heute an der Fleischtheke im Coop Sihlcity Zürich einkaufte, erhiehlt folgende kombinierte „Gutschein-Garantieerklärung“:

Coopfleisch

Kommunikativ richtig: Die Konsumenten, die vom Fleischskandal nichts wissen (oder es wieder vergessen haben), werden nicht auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie nehmen die externen Qualitätskontrolle zur Kenntnis und freuen sich vor allem über den 20%-Rabatt. Diejenigen, welche sich an die Geschichte erinnern, sehen darin eine Zielquittung und damit ihr Vertrauen in Coop bestätigt.

Allerdings: Mit dieser Aktion erreicht man all diejenigen nicht, welche bei Coop wegen dieser Sache nicht mehr an die Fleischtheke gehen (oder gar nicht mehr zu Coop, was allerdings unwahrscheinlich, da Schweizer von Kindsbeinen an entweder auf Migros oder Coop eingeschworen sind). Deshalb wird Coop wohl noch mit einer klassischen Kampagne nachdoppeln. In Frage käme aber auch eine gezielte Aktion mit der Supercard, was den Vorteil hätte, dass es je nach Ausgestaltung eher unterhalb des Radars der Medien stattfinden kann.

Wie auch immer: Wer weiss, wie gross Aufwand und Kosten für zusätzliche externe Zertifizierungen sind – und wie klein die Margen im Detailhandel – kann ermessen, dass bei Coop der Leidensdruck offenbar sehr gross war. Entweder hatte das Unternehmen wirklich ein beträchtliches Problem mit Falschdeklarationen, oder aber die Kunden haben ganz massiv den Fleischtheken ihr Vertrauen entzogen. Oder beides…

[Offenlegung: Ich bin ein Migros-Kind und habe während fünf Jahren bei Migros Teilzeit gearbeitet]

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