Wird???s kalt, wird???s eng

[Zusammenzug eines aktuellen Artikels in der „Welt“: Deutschland an der Schwelle zum Blackout]

„An kalten, lichtarmen und windstillen Wintertagen ist die Situation für die Stromversorgung besonders kritisch. Gerade im Winter, wo saisonbedingt mehr Strom verbraucht wird, ist die Unterstützung der Netzleistung durch erneuerbare Energien gering.

Dabei arbeiten die Netze schon jetzt an der Grenze der Belastbarkeit. Da könnte aus kleinen Fehlern oder Störungen bei der Stromübertragung schnell ein großflächiges Problem werden. Ganze Regionen könnten von Blackouts betroffen sein. Die Situation im Stromversorgungsnetz sei relativ kritisch, bestätigt auch die Bundesnetzagentur.

Im Süden, wo die meisten Kraftwerke vom Netz gingen, stehen viele Fabriken und Firmen mit hohem Stromverbrauch. Dies führt nun beispielsweise dazu, dass im Norden durch Offshore-Windkraftanlagen erzeugte Energie zunehmend in den Süden geleitet werden muss, um die Versorgung zu sichern. Schon jetzt sind die Nord-Süd-Leitungen voll ausgelastet.

Permanent an der Belastungsgrenze

Früher haben sich die Erzeuger dort angesiedelt, wo der Verbrauch war, heute muss der dezentral erzeugte Strom über weite Netzdistanzen zu den Verbrauchspunkten hingeleitet werden. Das führt das Netz permanent an die Belastungsgrenze und erhöht das Risiko eines Zusammenbruchs.

Um die Spannung gleichmäßig zu halten, muss an allen Punkten des Netzes eine ausreichende „Blindleistung“ vorhanden sein. Das ist der Teil der eingespeisten Leistung, welcher im Gegensatz zu der vom Verbraucher genutzten Wirkleistung nicht dem Netz entnommen wird, sondern „unverbrauchbar“ im System pendelt.

Allerdings kann Blindleistung nicht über weite Entfernungen transportiert, sondern muss lokal erzeugt werden. Da nun acht Kernkraftwerke weggefallen sind und damit auch die durch sie erzeugte Blindleistung, bestehe im Raum Südwest die Gefahr, dass die Netzspannung auf unzulässig niedrige Werte absinke.

Aus Sicht der Bundesnetzagentur könnte „im Laufe von 2012 die Inbetriebnahme neuer konventioneller Kraftwerke, wie das Steinkohlekraftwerk RDK 8 in Karlsruhe oder das Kraftwerk Hamburg-Moorburg, Entlastung bewirken“.

Kohle statt Kernkraft

Amprion treibt den Umbau des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis A zu einem sogenannten Phasenschieber zur Erzeugung von Blindleistung voran, um so das Spannungsniveau im Netzgebiet Rhein-Main zu stützen. Betrieben wird Biblis dann von einem Kohlekraftwerk. Der Umbau soll Ende Januar beendet sein.

Wenn also im Süden Deutschlands mehr Strom gebraucht wird als vorhanden ist – also bei Leitungsüberlastungen – droht ein großflächiger Stromausfall. Fällt eine Leitung aus, weicht der Strom auf andere, bereits voll belastete Leitungen aus. Dann bricht dort das Netz zusammen. Hier reagieren die Netzbetreiber durch akute Schaltmaßnahmen und Umlenkung von Leistungsflüssen.

Um die Stromversorgung bei Engpässen zu stützen, sollen künftig auch „kalt gestellte“ Kraftwerke bei Bedarf ans Netz genommen oder neue konventionelle Gas- und Kohlekraftwerke gebaut werden. „Gerade Gaskraftwerke sind bei Bedarf schnell hochzufahren“, erklärt die BNetzA.

Grosskunden abhängen?

Um das Netz aufrechtzuerhalten, könnten in manchen Industriezweigen Großverbraucher abgehängt werden, um die Spitzenlast zu senken. Auch werden Wartungsarbeiten in Kraftwerken oder an Netzen zeitlich verschoben, um das Netz nicht zusätzlich zu belasten. Zurzeit greifen die Netzbetreiber massiv in die Steuerung der Netze ein, heißt es bei der Bundesnetzagentur.

Falls beim Ausfall eines zentralen Leitungssystems der Lastfluss von anderen stark ausgelasteten Leitungen aufgefangen werden muss, bestehe momentan ein erhöhtes Blackoutrisiko. Die Übertragungsnetzbetreiber müssen fast alle Maßnahmen ausschöpfen, um etwa bei Fehlern an Umspannwerken die noch zulässigen Belastungswerte einzuhalten.

Sollte zusätzlich noch Eisregen für tonnenschwere Extralasten an Leitungen und so für Mastbrüche sorgen – wie etwa im November 2005 im Münsterland –, dürfte die prekäre Lage kippen.“

Und in der Schweiz?

Im Winter ist unser Land von Stromimporten aus Deutschland angewiesen. Wer die Vorgänge in Deutschland beobachtet, muss sich doch unweigerlich fragen, was in der Schweiz passiert, wenn die Lage in Deutschland eskaliert. Bis heute fehlen klare Auskünfte vom Bund oder von Swissgrid.

Swissgrid

[Bildnachweis: Homepage Swissgrid]

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