#birminghamriot

Ich hatte mir zum Abschluss der England-Ferien den zweitägigen Aufenthalt in Birmingham eigentlich etwas anders vorgestellt. Vorgestern Abend war die Heimkehr vom Restaurant ins Hotel zu Fuss durch das Zentrum von Birmingham mit einigen zersplitterten Schaufenstern und (wenigen) geplünderten Läden keine ungefährliche Sache und jedenfalls angsteinflössend. Und gestern Abend blieben wir gleich im Hotel, da die Polizei allen Geschäften und Restaurants empfohlen hatte, ab 15 Uhr zu schliessen, was diese noch so gerne taten. Immerhin hatten wir im Hotelrestaurant beste Aussicht auf die New Street, wo Polizei und Jugend-Gangs Katz und Maus spielten (so à la 1. Mai bei uns). Heute sind im Zentrum viele Läden mit Sperrholz verrammelt. Immerhin haben mir diese Tage verschiedene Erkenntnisse zum Thema Kommunikation verschafft.

Shops

Holzverschalung

Wie Twitter-Revolutionen funktionieren

Man konnte in den vergangenen Monaten viel darüber lesen, wie im Nahen Osten mittels Social Media ganz neue soziale Bewegungen entstanden sind, bei Demonstrationen und Aufständen spielte Twitter immer eine besondere Rolle. Bisher konnte ich mir das nicht konkret vorstellen. Nachdem ich es live erlebt habe, verstehe ich es viel besser. Wenn um einen herum viel Dramatisches sehr rasch passiert und die traditionellen Medien – auch das Fernsehen – nicht in der Lage sind, unmittelbar und ortsspezifisch zu informieren, dann gelangt man zwangsläufig zu Twitter (oder zu anderen, ähnlich funktionierende Medien). Wir haben jedenfalls zwei Abende lang atemlos die Lage verfolgt über die entsprechenden Kanäle bei Twitter (Stichwort #birminghamriot) und Tumblr.

Dichtung und Wahrheit

Selbstverständlich gelangen in diese Kanäle auch viele Falschmeldungen (als Desinformation, oder aus Unwissen). Ein Tweet verkündete zum Beispiel, das Kinderspital werde angegriffen, es habe dort viel Polizei. Ein paar Tweets später erklärte jemand, natürlich habe es dort viel Polizei, da auf der anderen Strassenseite eine Polizeiwache sei. Dieser Ablauf zeigt auch, dass wenn der Kanal breit genug ist, Falschmeldungen auch korrigiert werden. Wie dem auch sei: Eine gesunde Portion Skepsis ist bei Social Media aber immer angebracht, da die Identität des Absenders nicht immer zweifelsfrei feststeht. Die Printmedien berichten natürlich nur zu gerne über diese Probleme ihrer Konkurrenz::

Twitter_geruchte

 

Moderne Polizeiarbeit im Zeitalter von Social Media

Interessant war zu sehen, wie moderne Polizeiarbeit in diesem Kontext auf der Informationsseite geleistet werden kann. Einerseits gab es regelmässige Tweets vom Polizeikommando (West Midlands Police), das sich offiziell, aber in rascher Kadenz auf Twitter äusserte:

Westmidland

Daneben fielen mir aber auch die Tweets von Police Constable Richard Stanley auf, der einen Blog sowie einen Twitter-Account unterhält und sozusagen von der Front berichtet. Er tut dies nicht privat, sondern mit dem Segen seiner Vorgesetzten (sonst könnte er nicht mit dem Logo der West Midlands Police auftreten), aber auf eigenständige und „volksnahe“ Art. Natürlich ist das eine heikle Gratwanderung, aber PC Stanley macht es aus meiner Sicht sehr gekonnt.

Policeconstable

Im Vergleich dazu ist die Situation in Zürich eher trist. Der Account der Stadtpolizei Zürich weist 30 Follower auf – und keinen einzigen Tweet. Da besteht wohl noch Nachholbedarf. Immerhin steht dort, man solle im Notfall 117 wählen. Oder ist dieses Twitter-Konto nur ein Fake?

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