AVES im Stress, aber Kiener gl??nzt

Heute habe ich den neuesten Newsletter der Aktion für eine vernünftige Energiepolitik (AVES) erhalten, einer Lobbying-Organisation der Nuklear-Wirtschaft. Nicht unerwartet: Die Blattmacher sind über den Ausstiegsentscheid entsetzt: „Windfahnen-Politiker haben entschieden“. Ganz besonders verbittert sie der Verrat ausgerechnet durch die Bundeserätin aus den eigenen Reihen. Sie fordern: „Stresstest für Doris Leuthard!“.

Im Bulletin abgedruckt ist allerdings auch eine differenzierte Analyse der aktuellen Energiepolitik durch Dr. Eduard Kiener, ehemaligem Direktor des Bundesamtes für Energie. Eine durchaus lohnenswerte Lektüre: „Fukushima: Ende oder nur Rückschlag für die Kernenergie?“. Wie der Titel verrät, macht der Autor aus seiner Sympathie für die Kernenergie kein Geheimnis, aber er ist ein erfahrener und profunder Kenner aller energiewirtschaftlichen Belange.

Meine etwas holzschnittmässige Kritik am Schoggitaler-Konzept der vereinigten Umweltverbände hört sich bei Kiener ebenso unverblümt an: „Da staunt man schon, wenn die Umweltorganisationen vor kurzem verkündet haben, der Kernenergieausstieg koste pro Kopf und Jahr nur 5 Franken! Es braucht schon sehr kreative Rechnungen, um zu einem solchen Resultat zu kommen. Und auch eine gehöriges Potenzial an Verdrängung darüber, dass die gleichen Organisationen durch Opposition ihren eigenen Zielen entgegenstehen.“

Die Problematik des Einsatzes der neuen erneuerbaren Energien bringt Kiener mit konkreten Zahlen auf den Punkt: „Drei Viertel der zu substituierenden Energiemenge von 26 TWh muss durch fluktuierende Erzeugung aus Wind und Fotovoltaik stammen. Um die gleiche Strommenge wie aus nuklearen oder fossilen Kraftwerken zu erzeugen, ist die vierfache Windleistung oder die zehnfache Fotovoltaikleistung erforderlich. Deshalb sind 2 GW Wind- und 18 GW Fotovoltaikanlagen zu installieren. Dies führt zu gewaltigen Leistungsschwankungen im Netz, da grundsätzlich alle Wind- und PV-Kraftwerke gleichzeitig fast null oder praktisch maximal produzieren können. Die grösste Schwierigkeit tritt dabei nicht dann auf, wenn Wind und Fotovoltaik zu wenig erzeugen, sondern wenn sie alle mit Volllast laufen. Dann müssen riesige momentane Überschüsse bewältigt werden; diese können mehr als 17 GW betragen. Im Vergleich dazu: die totale installierte Leistung der Saisonspeicherwerke beträgt 9,5 GW, die aktuelle Pumpspeicherleistung 1,5 GW. Die maximalen Leistungsüberschüsse können weder durch Pumpspeicherung, noch durch Zurückfahren anderer Kraftwerke noch durch zusätzlichen Stromkonsum gemeistert werden, auch die Ausfuhrchancen dürften dann beschränkt sein. Niemand kennt hier eine sicher funktionierende Lösung, es sei denn, man stelle temporär fluktuierende Erzeugung ab.“

Bezüglich letztem Punkt ist Kiener allerdings nicht auf dem aktuellen Stand, denn die Konzepte für den Einsatz von Wind- und Sonnengas sind in Deutschland bereits in Umsetzung und werden in der Schweiz geprüft, wie ich hier und hier ausgeführt habe.

Windrader

[Illustration: openclipart.org]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s