Der WWF und die Schoggitaler

Bkw_demo

Heute haben die Umweltverbände in einer Medienkonferenz ihre Vorstellungen von der „Energiewende“ bekannt gegeben. Mit ihren Darlegungen haben sie sich faktisch aus der aktuellen energiepolitischen Diskussion abgemeldet, denn die Positionen sind:

  • inkompetent: In den ganzen Ausführungen werden nur Energiemengen auf Jahresbasis jongliert. Jeder Energiewirtschafter weiss jedoch, dass es auch auf die Leistung ankommt. Wir haben schon heute ein Ungleichgewicht zwischen Sommer und Winter, bei Wegfall der Kernkraft, die keine saisonalen Schwankungen aufweist, wird dieses Ungleichgewicht noch deutlich verstärkt. Link zur Weiterbildung der Umweltverbände.
  • widersprüchlich: Entweder sind die Risiken der Kernkraft so gross, dass man handeln muss, und zwar unverzüglich oder zumindest sehr rasch, wie zum Beispiel die Camper auf dem Viktoriaplatz fordern. Dann muss man über die Finanzen gar nicht sprechen. Oder aber die Risiken sind erträglich, dann ist ein forcierter Ausstieg gar nicht notwendig. Aber den Termin danach zu bestimmen, dass pro Familie nicht mehr als der Preis eines Schoggitalers pro Jahr an Kosten anfallen soll, mutet grotesk an.
  • unglaubwürdig: Ausgehend von einem aktuellen Stromverbrauch von 60 TWh können laut Umweltverbände 90.6 TWh eingespart oder substituiert werden (ganz klein steht dann noch, dass man das nicht alles einfach addieren kann …). Wenn man noch weiss, dass mehr als zwei Drittel des Stroms von der Wirtschaft verbraucht wird, und dass die Unternehmen aufgrund der hohen Strompreise schon heute alles unternimmen, um möglichst viel Energie und damit Kosten zu sparen, kann man über die Schätzungen nur den Kopf schütteln.

Weshalb liegen denn die Schweizer Umweltverbände so falsch? Sie denken ideologisch = schwarz-weiss. Das führt zu Lösungen, die einseitig, dirigistisch und unrealisierbar sind. Dass man auch als Umweltverband ohne vorgefasste Meinung, seriös und wissenschaftlich an die Sache gehen kann, beweist Greenpeace Deutschland, das seine Studien nicht selbst bastelt, sondern von anerkannten Fachleuten wie dem Wuppertal-Institut erstellen lässt: Erdgas als Brücke zur regenerativen Zukunft.

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5 Gedanken zu „Der WWF und die Schoggitaler

  1. RD

    Lieber Jean Marc,ich teile deine Meinung zu 100%.Stimmt es, dass die Aussage war, dass von 60 TWh 90.6 TWh eingespart werden k??nnen ? oder ist das ein Tippfehler in deinem Text :-)Beste Gr??sseDominique

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  2. Denis

    Schwarz-weiss Denken f??hrt nicht zu L??sungen, einverstanden. Doch auch die Energiewirtschaft ist in Ihrer Kommunikation teils widerspr??chlich und unglaubw??rdig??? Auch du scheinst da auch nicht v??llig unbetroffen zu sein: Kernkraft, die keine saisonalen Schwankungen aufweist? Nun, da bin ich mir nicht so sicher, so schrieb der Tagi diese Woche dazu: ??Tiefe Wasserst??nde: KKW m??ssen Leistung runterfahren?? http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Tiefe-Wasserstaende-KKW-muessen-Leistung-runterfahren/story/19918479So wie die Umweltverb??nde das Energieproblem nicht mit 10 Punkten l??sen k??nnen, kannst du ihre Vorschl??ge auch mit 3 Schlagw??rtern abtun. Die Problemstellung ist anspruchsvoll und muss wohl europ??isch gel??st werden. Selbst wenn wir alle Schweizer AKWs abstellen und du ein grosses Gaskraftwerk kriegst, haben wir das franz??sische Atom-Risiko immer noch und das beginnt schon in Fessenheim http://bazonline.ch/basel/stadt/AKW-Fessenheim-soll-vom-Netz/story/28877040 ein paar Kilometer von der Schweizer Grenze???Denis

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  3. Anonymous

    <html dir="ltr"> <head> <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=Windows-1252"> <style id="owaParaStyle" type="text/css">P {margin-top:0;margin-bottom:0;}</style> </head> <body ocsi="0" fpstyle="1"> <div style="direction: ltr; font-family: Tahoma; color: rgb(0, 0, 0); font-size: 13px;"> <div style="">Danke f??r diese Hinweise, auf die ich gerne eingehe:<br> <ul style="font-family: Tahoma; font-size: 10pt;"> <li>Kernkraftwerke laufen typischerweise rund 8’000 Stunden pro Jahr (von 8’760 m??glichen) und auf Vollbetrieb (fachtechnisch gesprochen: Bandlast). Sie werden nur f??r Revisionen und in ganz speziellen Situationen hernuntergefahren (wie im Artikel geschildert). Nachzulesen zum Beispiel in den Monatsberichten der KKW unter http://www.swissnuclear.ch/de/monatsberichte_betrieb_kkw_content—1–1056.html . Im Gegensatz dazu liegen die Laufzeiten von Gaskombi-Kraftwerken bei rund 5’000 Stunden pro Jahr (Mittellast). Stochastisch anfallende Energie wie Wind und Sonne kommt in der Regel auf sehr viel tiefere Jahresbetriebsstunden (weshalb man ja auch immer grinsen muss, wenn die Leistung von Photovoltaik-Anlagen mit der von Kernkraftwerken gleichgesetzt wird. </li><li>Dass das Problem ??ber das Land hinaus geht – sowohl was das Kernkraftrisiko, aber vor allem auch was das CO2 betrifft – da bin ich absolut einverstanden.</li><li>Die Meinung, ich (oder die Erdgas-Wirtschaft) wollten Gaskombi-Kraftwerke, ist aus der Luft gegriffen und entbehrt jeder Grundlage. Ich habe mich auch vorgestern an der Medienkonferenz der Energieversorger nicht so ge??ussert. Die Medien haben das auch so verstanden, wie die Clippings zeigen. Aus Gr??nden, die zu erl??utern hier zu weit f??hren w??rde, sind wir nicht f??r Gaskombi-Kraftwerke, sehen jedoch deren technische und versorgungsm??ssige Notwendigkeit ein, m??chten so wenige wie m??glich davon und wollen lieber in die effizientere, dezentralere und klimaschonendere W??rmekraftkopplung investieren.<br> </li></ul> </div> <div style="font-family: Times New Roman; color: rgb(0, 0, 0); font-size: 16px;"></div></div></body></html>

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  4. Denis

    Merci f??r deine Antworten Jean-Marc. Meine Anmerkungen dazu:KKWs produzieren Bandstrom, was Vor- und Nachteile hat ??? diese Diskussion f??hrt hier aber zu weit und wird sich sowieso politisch entscheiden. Ich meine jedoch, dass du etwas untertreibst, wenn du sagst, dass unsere mehrheitlich flussgek??hlten KKWs nur in ??ganz speziellen Situationen?? runtergefahren werden m??ssen. ??Niedriger Wasserstand in den Fl??ssen und erh??hte Wassertemperaturen bedeuten f??r auf K??hlwasser angewiesene KKWs eine reduzierte Stromproduktion. Im Sommer 2003 mussten beispielsweise europaweit sechs Kraftwerke g??nzlich abgeschaltet werden und die Stromproduktion in Frankreich war um 30%(!!) reduziert. Auch das flussgek??hlte Kernkraftwerk Beznau erlitt Produktionseinbussen.?? Vgl. http://www.sysecol2.ethz.ch/pdfs/Fi135.pdfIch finds begr??ssenswert, dass du als Erdgas-Cheflobbyist Gaskombi-Kraftwerke nach M??glichkeit verhindern m??chtest. Deine Differenzierte Haltung wird andernorts, z.B. auf dieser PR-Seite http://www.stromzukunft.ch/grosskraftwerke/kraftwerkstypen/ vom VSE, deutlich anders dargestellt: Als ??richtige?? Kraftwerkstypen scheint es nur Atom-, Wasser- und Gaskombikraftwerke zu geben. Eine Seite weiter heisst dann, dass das Potential der erneuerbaren Energien ??leider nicht allein reicht, um die Stroml??cke zu schliessen??. Das ist doch reine Interessenpolitik ??? die ja auch okay w??re, wenn das denn alles private Unternehmen w??ren. Doch soweit ich informiert bin, geh??ren Axpo, Alpiq & Co mehrheitlich den Kantonen und hier sehe ich das Problem: Die Eigent??mer, also die Kantone m??ssen doch sagen wo’s langgeht und nicht der VSE den Kantonen!?Zu der von dir zitierten Studie aus Deutschland: Ich hab sie nicht (vollst??ndig) gelesen, doch sie sagt doch einfach, dass Gas besser ist als Kohle: ??Im Strommarkt hingegen ist – solange eine Abh??ngigkeit von fossilen Kraftwerken besteht – eine Ausweitung der Erdgasanteile w??nschenswert, da mit Erdgas betriebene Gas- und Dampfkraftwerke mit elektrischen Wirkungsgraden bis zu 60 % die h??chste Effizienz aufweisen und weil Strom aus Gaskraftwerken insbesondere die relativ stark treibhausgasemittierende Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken ersetzen kann.?? Also Wasser auf deine M??hle, bzw. Gas in deine Turbine 😉 Doch: Zum Gl??ck haben wir in der Schweiz gar keine Kohlekraftwerke und daher gibt diese Studie keine Antwort zu unserer Fragestellung, auch wenn sie wissenschaftlich ist, wie von dir betont.

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