Her mit der Kristallkugel

Der Mann von der Strasse (bzw. vor der Glotze) konsultiert Mike Shiva, in der Wirtschaft betreibt man aufwändig „Trendforschung“, und die Landesregierung hält sich einen „Perspektivstab der Bundesverwaltung“. Dieser hat nun heute seine „Perspektiven 2025 publiziert.

Das 73seitige Werk ist nicht grafisch durchgestylt, sondern atmet den betörenden Duft von Word-Standardvorlagen. Da war wohl nicht eine externe Agentur am Werk, sondern vermutlich die sechsköpfige Sektion Planung und Strategie der Bundeskanzlei – was a priori nicht gegen den Bericht spricht.

Wie jeder gute Wahrsager erhöhen auch die Perspektivstäbler ihre Trefferquote, indem sie viele Plattitüden und Selbstverständlichkeiten von sich geben. Und so sicher sind sie sich ihrer Sache nicht, schreiben sie doch, „dass eine verlässliche Prognose für (…) 2025 äusserst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist.“ (Seite 8).

Nun kann man sich fragen: Macht diese Übung überhaupt Sinn? Aber gewiss doch. Dank der von den Medien aufgegriffenen Aussage im Bericht, wonach die Schweiz 2025 unmittelbar vor dem EU-Beitritt stehe, haben die Perspektiven 2025 der Ankündigung der Ständeratskandidatur von Christoph Blocher und weiterer SVP-Kämpen von heute Nachmittag gerade den richtigen Schub verliehen.

Ob der Perspektivstab diese Perspektive wohl vor Augen hatte?

[Mit Dank an Michael Schmid für die Inspiration]

Perspektivbericht_klein

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